Protokoll | 111. BTR-Treffen | 20. & 21.08.2026 | Schwerin
Liebe Referendarinnen und Referendare,
Liebe Ausbildungsleitungen,
Liebe Zuhörer,
Ein spannendes 111. Bundestreffen des Technischen Referendariats in Schwerin liegt hinter uns, mit tollen Gesprächen, lehrreichen Vorträgen und vielen Eindrücken. Die Veranstaltung bot nicht nur Raum für inhaltliche Diskussionen und organisatorische Entscheidungen, sondern lebte insbesondere von der intensiven Vernetzung der Technischen Referendarinnen und Referendare über Länder- und Fachgrenzen hinweg.

Begonnen haben wir am Donnerstag mit einer Schlossführung durch das Schweriner Schloss, dem einstigen Sitz der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin, das zur Zeit der Renaissance begonnen und 1857 von den Architekten Georg Adolph Demmler und Friedrich August Stüler im Neurenaissancestil vollendet wurde. Es ist als Teil des Residenzensembles in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben und heute Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Bereits hier entstanden zahlreiche Gespräche und es konnten neue Kontakte geknüpft werden, die wie immer eine wertvolle Grundlage für den Austausch und das bundesweite Netzwerk darstellen.
Bei der anschließenden Stadtführung konnten wir uns das Schweriner UNESCO-Welterbeensemble und eine aktuelle Baustelle der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung (SBL MV) in der Altstadt genauer anschauen und so weitere Eindrücke sammeln. Bei einem gemeinsamen Abendessen haben wir den Tag entspannt ausklingen lassen.

Der zweite Veranstaltungstag begann mit einer herzlichen Begrüßung durch Dr. Carola Voß, Staatssekretärin im Ministerium für Finanzen und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern. Sie hob die Bedeutung des Referendariats hervor, das nicht nur eine Ausbildung für den späteren Beruf bietet, sondern auch eine Gelegenheit, frühzeitig Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu sammeln und Netzwerke aufzubauen, die ein ganzes Berufsleben lang bestehen bleiben.
Im ersten fachlichen Impuls stellte Ramona Lewerenz von der Geschäftsstelle „Zukunft der Verwaltung M-V“ die methodischen Grundlagen für ein innovatives Projekt vor, das den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Bauunterhaltung zum Ziel hat. Sie erläuterte die Konzeption und wie Mittel dafür bereitgestellt werden. Anschließend zeigte Stefan Wenzl, Leiter der Abteilung IV im Ministerium für Finanzen und Digitalisierung, wie das Projekt in der Praxis umgesetzt wird. Hierbei soll die Anwendung im Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin exemplarisch in einem neugeschaffenen Dezernat für Werterhalt erprobt werden.
Abschließend präsentierte Dr. Görres Grenzdörffer von der Professur für Geodäsie und Geoinformatik der Universität Rostock die wissenschaftliche Begleitung und Forschung rund um das Projekt. Er stellte Ansätze für eine „vorausschauenden und intelligenten Bauunterhaltung mit KI“ vor und zeigte, wie die Erfahrungen aus dem Projekt wissenschaftlich ausgewertet werden können. Dank der drei Beiträge wurde deutlich, dass das Projekt einen besonders innovativen Charakter besitzt, der von der Konzeption über die Umsetzung bis hin zur wissenschaftlichen Auswertung reicht.
Nach einer kurzen Pause konzentrierte sich die Diskussion auf die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare. Christine Ufer vom Oberprüfungsamt (OPA) in Bonn gab einen Überblick über die Geschichte, den Aufbau und die Aufgaben der Institution, die in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiert. Zu den zentralen Aufgaben des OPA gehören die Abnahme des Staatsexamens, die Weiterentwicklung von Prüfungsvorschriften sowie die Weiterbildung der Prüferinnen und Prüfer.

Im Anschluss daran wurde die Digitalisierung des Prüfungswesens diskutiert, ein Thema, das die Referendarinnen und Referendare besonders intensiv beschäftigt. Teilnehmenden tauschten sich unter anderem über den Umgang mit KI im Prüfungswesen, digitale Signaturen, Formatierungs- und Zitieranforderungen sowie die Digitalisierung des Staatsexamens aus. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, welche Regelungen für den Einsatz von KI gelten sollten. Eine entsprechende Regelung soll voraussichtlich im Herbst beschlossen werden, wobei noch geklärt werden muss, ob die neuen Vorgaben auch für bereits laufende Jahrgänge gelten. Die Diskussion zeigte, dass die Digitalisierung des Prüfungswesens ein wichtiger Aspekt der Ausbildung ist und dass die Referendarinnen und Referendare sich intensiv mit den Herausforderungen und Chancen dieser Entwicklung auseinandersetzen müssen.
Nach den intensiven Diskussionen über Verwaltung, Prüfungsrecht und Künstliche Intelligenz bot der Workshop „Lego Serious Play“ von Janine Chlebek und Bianca Nehls eine willkommene Gelegenheit, die Perspektive zu wechseln und kreativ zu werden. Das innovative Konzept nutzt Lego-Modelle, um komplexe Probleme und Fragestellungen sichtbar zu machen und Lösungen zu entwickeln. Durch die Verwendung von Farben, Formen und Anordnungen können Ideen, Probleme und Zusammenhänge metaphorisch dargestellt werden, ohne dass es eine „richtige“ oder „falsche“ Art gibt, die Steine zusammenzusetzen. Im Workshop wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, ihre Vorstellungen vom idealen Referendariat in fünf bis zehn Jahren zu entwerfen. Die Ergebnisse waren beeindruckend vielfältig und zeigten, wie unterschiedlich die Wünsche, Erwartungen und Vorstellungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind. Der Workshop bot eine einzigartige Gelegenheit, kreativ zu denken und gemeinsam über die Zukunft des Referendariats nachzudenken.

Nach der Mittagspause widmete sich die Veranstaltung einer Frage von grundlegender Bedeutung: Welche Verantwortung trägt die Verwaltung in einer Demokratie? Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung MV, stellte zunächst die Arbeit der Landeszentrale vor, die sich durch einen überparteilichen Ansatz auszeichnet und über politische und gesellschaftliche Themen informiert. In seinem Vortrag betonte er, dass Demokratie nicht nur durch Wahlen und politische Entscheidungen funktioniert, sondern auch eine Verwaltung benötigt, die ihre demokratische Verantwortung ernst nimmt. Es wurde deutlich, dass die Verwaltung eine wichtige Rolle bei der Umsetzung demokratischer Prinzipien spielt und dass ihre Handlungen und Entscheidungen direkte Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Der Vortrag regte dazu an, über die Bedeutung der Verwaltung in einer Demokratie nachzudenken und die eigene Rolle zu reflektieren.
Ein besonderes Highlight für die Teilnehmenden war der Vortrag ehemaliger Referendare. Knud Steiner aus Hamburg, Fachrichtung Landespflege, und Johanna Bösken aus Nordrhein-Westfalen, Fachrichtung Städtebau, standen für einen offenen Austausch über ihre eigenen Erfahrungen im Referendariat zur Verfügung. Die beiden berichteten über Pflichtstationen, Fortbildungen, Fachexkursionen und die verschiedenen Phasen der Ausbildung. Auch die HPA, schriftlichen Klausuren und die Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen wurden thematisiert. Ihr wichtigster Rat an die aktuellen Referendarinnen und Referendare: Engagiert euch möglichst früh! Hospitationen, Exkursionen, Fortbildungen und zusätzliche Veranstaltungen sind nicht nur Pflichtprogramm. Wer sich aktiv einbringt, kann aus dem Referendariat wesentlich mehr mitnehmen – fachlich, persönlich und für das eigene berufliche Netzwerk.
Was bleibt? Das BTR-Treffen in Schwerin hat gezeigt, dass das Technische Referendariat weit mehr ist als die Vorbereitung auf das Staatsexamen. Es ist eine Ausbildung für eine Verwaltung, die sich verändern muss: digitaler, flexibler, attraktiver und gleichzeitig verantwortungsbewusst. Künstliche Intelligenz wird dabei eine wichtige Rolle spielen – vom Bauunterhalt bis zum Prüfungswesen. Sie wird jedoch nicht die fachliche Verantwortung des Menschen ersetzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass moderne Verwaltung nicht nur aus Technik besteht. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen gestalten und sich ihrer Rolle in einer demokratischen Gesellschaft bewusst sind.
Und genau dafür sind Treffen wie dieses wichtig: zum Lernen, Diskutieren, Netzwerken – und manchmal auch einfach zum gemeinsamen Bauen mit Lego.
Am Ende stand schließlich noch die Neuwahl des Vorstands an. Wir gratulieren herzlich Fabian Günther (Hochbau, RLP) und Paul Toben (Städtebau, RLP) zur Neuwahl und bedanken uns bei Viola Mathein (Städtebau, RLP), die nach einem Jahr im BTR aus dem Vorstand ausscheiden wird. Damit wurde zugleich der Blick nach vorne gerichtet: auf die kommenden Veranstaltungen, neue Ideen und eine weitere Vernetzung der Referendarinnen und Referendare.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland für euer engagiertes Mitwirken und den lebendigen Austausch und freuen uns auf das kommende 112. BTR-Treffen.
Euer Vorstand
Viola Mathein und Marius Birnbreier







